Kieferorthopädie

ORTHOPEDICS - Orthopädische Behandlung


Vorbehandlung

Unstimmigkeiten zwischen Kiefergröße, Kieferbreite und Lageposition zueinander sind sehr oft die Ursache schiefer Zähne. Diese Ursachen zu beseitigen ist oft Voraussetzung eines Behandlungserfolges.

Die orthopädische Vorbehandlung einer Kieferfehlstellung ist dazu da, die optimal zu den Zähnen passende Breite bzw. Länge des Ober- und Unterkiefers zu erzielen und diese lagerichtig zueinander anzuordnen. Wenn diese knöchernen „Fundamente“ optimal abgestimmt sind, ist die Einordnung schiefer Zähne leichter und die Entfernung gesunder Zähne zum Platzgewinn ist eher vermeidbar.

Ein zu schmaler Oberkiefer wird mit einer fest an die Oberkieferzähne geklebten Spange, der sogenannten Bonded Hyrax, verbreitert. Die Lageeinstellung des Unterkiefers zum Oberkiefers wird mit einem sogenannten funktionskieferorthopädischen Gerät, dem Twin-Block, erzielt.

Eine orthopädische Behandlung mit Beeinflussung des Kieferwachstums funktioniert nur im noch wachsenden Organismus. Wenn das Sjkelettwachstum, damit auch das Kieferwachstum, abgeschlossen ist, kann nur noch eine sog. kompensatorische Behandlung durchgeführt werden. Dabei werden die Zähne auf dem Kiefer bewegt, ohne dessen Größe und Lage zu verändern. Bei erwachsenen Patienten wird daher eine Kompensationsbehandlung vorgenommen, um Fehlstellungen zu beseitigen.

Besser atmen durch geklebte Spange?

Der Oberkiefer besteht aus einzelnen Knochenteilen, die sich bei der Behandlung mit der geklebten „Bonded Hyrax“ auseinanderbewegen lassen und damit zu einer Verbreiterung des Oberkiefers führen. Diese Verbreiterung ist bereits nach wenigen Wochen deutlich erkennbar. Es bildet sich schneller zusätzlicher Kieferknochen zwischen den bewegten Kieferanteilen als bei natürlichem Wachstum. Da der Oberkiefer anatomisch mit den Nasennebenhöhlen verbunden ist, führt eine Verbreiterung des Oberkieferknochens zu einer Vergrößerung der Atemwege durch die Nase. Durch verringerten Atemwiderstand wird die Atmung durch die Nase bis zu 50% verbessert. Das Gesichtswachstum wird positiv beeinflusst, die Kinder sind durch die bessere Sauerstoffzufuhr ausgeschlafener und leistungsfähiger (Dr. Hugo Stockfisch,: Rationelle Kieferorthopädie, Bd. II, Berlin 1985). Der mit dieser Methode erreichbare Platzgewinn für die Zähne macht es deutlich seltener erforderlich, gesunde Zähne zu entfernen, um Platz für die Regulierung zu gewinnen.

Wie funktioniert die geklebte Spange?

Der Abstand der ersten großen Backenzähne im Oberkiefer beträgt bei normalen Platzverhältnissen ca. 36 mm. Ist dieser Wert geringer, liegt wahrscheinlich ein zu schmaler Oberkiefer mit entsprechendem Platzmangel für die Zähne und erschwerter Nasenatmung vor. Die geklebte Spange wird an den Seitenzähnen im Oberkiefer mit einem speziellen Kleber befestigt, der das Eindringen von Bakterien auf die Unterseite behindert. In der Mitte befindet sich eine Schraube, die bei jedem Weiterstellen eine Öffnung des Kiefers um ca. 0,25mm auslöst. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Kieferteile noch nicht so fest wie bei Erwachsenen verbunden. Die Öffnung lässt sich daher meist innerhalb von 4 Wochen realisieren. Die Spange muss danach noch ca. 4-5 Monate unverändert fixiert bleiben, bis sich die Kieferanteile in der neuen Position verankert haben und nicht mehr in die alte Position zurückweichen können.

Falscher Biss durch Unterkieferrücklage?

Die Rücklage des Unterkiefers ist eine häufige Fehlstellung, die zu Funktionsstörungen beim Beißen und Sprechen führen kann und eine exakte Einstellung der Zähne unmöglich macht. Unbehandelt kann es zu Problemen beim Atmen, Kauen und Überlastungen der falsch positionierten Kiefergelenke kommen. Ober und Unterkiefer müssen in die richtige Lage zueinander gebracht werden. Dies geschieht meist durch eine Vorverlagerung des Unterkiefers. Dazu wird eine zweiteilige Spange, der sog. Twin-Block, eingesetzt. Der Twin-Block besteht aus je einer herausnehmbaren Spange für den Ober- und Unterkiefer, die in der richtigen Position des Unterkiefers (wenn der Patient den Unterkiefer vorschiebt) einrasten. Die Abbildung zeigt in der Seitenansicht die Schrägflächen, die beim Beißen in der richtigen Position den Kiefer vorne halten. Dadurch wird ein Wachstum im Kieferknochen ausgelöst und die Längenanpassung erfolgt. Die Behandlung mit diesem Gerät dauert ca. 9 Monate. Danach ist i.d.R. die orthopädische Phase der Behandlung abgeschlossen und die eigentliche Regulierung (Orthodontics) kann beginnen.

Falscher Biss durch Rücklage des Oberkiefers

Ein im Verhältnis zum Unterkiefer zu kleiner Oberkiefer kann ebenfalls dazu führen, dass die Zähne nicht richtig aufeinander passen und das Gesichtsprofil sich ungünstig entwickelt. Dieses Wachstumsmuster nennt der Kieferorthopäde Klasse-3-Fehlstellung. Ein etwas vorstehender Unterkiefer ist an sich kein Grund für eine kieferorthopädische Behandlung. Dieses Wachstumsmuster ist meist familiär verankert. So ist die Habsburger Dynastie ein bekanntes Beispiel für einen Klasse-3-Wachstumstyp. Auch andere bekannte Persönlichkeiten, z.B. Michael Schumacher, weisen diesen Wachstumstyp auf. Behandlungsbedarf entsteht erst dann, wenn das Wachstum so weit auseinanderläuft, dass die Zähne nicht mehr aufeinander passen bzw. die unteren Zähne seitlich an den oberen vorbeibeissen. Für die Behandlung solcher Fehlstellungen werden das sog. Fränkel-Gerät und/oder die Orthopädische Maske (Face-Mask) verwendet. Das Fränkel-Gerät ist eine herausnehmbare Spange, die schon im Alter von 8 Jahren eingesetzt wird und die Wachstumsprozesse des Oberkiefers gezielt fördert. Die orthopädische Maske dient als Verankerung für Gummizüge, die an einer geklebten Spange im Oberkiefer eingehängt werden. Die Gummizüge lassen den gesamten Oberkieferkomplex langsam nach vorne wandern. Dadurch wird ein Ausgleich der Fehlstellung erreicht. Die Gesichtsmaske muss nach einem exakten Zeitplan getragen werden. dazu erhalten die Patienten eine schriftliche Information.

Der Bite-Fixer ist ein festsitzendes Gerät zur Bisseinstellung.

Dieses Gerät wird bei älteren Kindern mit bereits verminderter Wachstumsgeschwindigkeit eingesetzt bzw. bei Patienten, die den Twin Block nicht ausreichend lange am Tag tragen, eingesetzt. Der Bite-Fixer funktioniert wie ein Scharnier zwischen Ober- und Unterkiefer. Als Verankerungspunkte dienen die Brackets bzw. Bänder der festen Zahnspange.


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